Bad Häring

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Palmwedel von Sabal raphifolia (STERNBG.) KNOBLOCH & KVACEK

R. Butzmann & H.-J. Gregor (Artikel 02.03.2009 - Archiv geomnia)

 

"Zu häufig vorkommenden Palmen von Bad Häring sei folgendes vermerkt: Im Gegensatz zu den italienischen Fundstellen S. Giustina (GREGOR & KNOBLOCH 2001) oder Bolca sind die Palmenblätter niemals größer als unterarmlang und bestehen meist aus abradierten Blattendteilen, also der Spreite und Resten der Rhachis. Morphologisch gehören die Reste von Bad Häring wohl eindeutig zur Gattung Sabal, wie es schon MAI & WALTHER (1978: 148, Taf. 49, Fig. 1-4) aus der Haselbacher Serie und aus dem Obereozän des Weißelster-Beckens beschrieben haben (MAI & WALTHER (1985: 133, Taf. 34, Fig. 1 und Taf. 35, Fig. 1-4). Diese Autoren sind näher auf die Problematik der Zuordnung zu den Palmengenera Trachycarpus WENDL., Chamaerops L. oder Livistona R.BR. eingegangen (ibid. S. 133-135) und haben sich aufgrund des stachellosen Stieles der Blätter und anderer anatomischer Merkmale zur Zuordnung zu Sabal ADANSON entschieden. Von dieser Gattung sind auch genügend Fruktifikationen bekannt geworden MAI (1976: 104-105).

 

Die von ETTINGSHAUSEN (1855) beschriebenen Palmen von Monte Promina gehören auch zu dieser Art (BUTZMANN 2000). Die als Flabellaria raphifolia STERNBG. (ETTINGSHAUSEN 1853: 30, Taf. 1, Fig. 1-9; Taf. 2, Fig. 1-6; Taf. 3, Fig. 1, 2), Flabellaria verrucosa UNG. (ibid. 33) und Flabellaria major UNG. (ibid.: 33, Taf. 3, Fig. 3-7) genannten Arten können hier alle als obige Art mitgeteilt werden."

 

(Publiziert in: BUTZMANN & GREGOR 2002: 25 - siehe auch Publikationen; übernommen mit freundlicher mündlicher Genehmigung)

 

Sabal raphifolia

Sabal raphifolia (STERNBERG) KNOBLOCH & KVACEK, "Palmenschichten"; Bilbreite ca. 8 Zentimeter (Slg. BSPG 2009-II). (Photo Heyng 2009)

 

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Palmwedel von Sabal raphifolia (STERNBG.) KNOBLOCH & KVACEK (Artikel 2009 - Archiv geomnia)
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Literatur

  •  BUTZMANN, R. (2000): Zur paläogenen Flora von Monte Promina aus der Sammlung A. WETZLER im Heimatmuseum Günzburg. - Documenta naturae, 132: 65-91, 1 Abb., 5 Taf.; München.
  • BUTZMANN, R. & GREGOR, H.-J. (2002): Die oligozäne Flora von Bad Häring (Tirol) – Teil 1: Pflanzen aus den Bitumenmergeln und deren phytostratigraphisch-paläoökologisch- paläoklimatische Interpretation (Coll. Inst. Geol. Paläont. Innsbruck). – Documenta naturae, 140, Teil1: 1-117, 6 Abb., 12 Tab., 25 Taf.; München.
  • ETTINGSHAUSEN, C. v. (1853): Die tertiäre Flora von Häring in Tirol. – Abh. k. k. geol. Reichsanst., 2: 1-118, Taf. 1-31, 2 Tab.; Wien.
  • GREGOR, H.-J. & KNOBLOCH, E. (2001): Die oligozänene Floren von Santa Giustina u. Sassello - eine kritische Revision. - Flora Tertiaria mediterranea, V.7: 1-51, 2 Abb., 4 Tab., 3 Taf.; München.
  • HEYNG, A. M., BUTZMANN, R., FISCHER, T.C. & GREGOR, H.-J. (2003): Die Oligozäne Flora von Bad Häring (Tirol) – Teil II: Illigeropsis ettingshausenii nov. gen. nov. spec. aus den Zementmergeln – ein neues exotisches Element im europäischen Paläogen. – Documenta naturae, 140, Teil 2: 1-33, 7 Abb., 8 Taf.; München.
  • MAI, D. H. (1976): Fossile Früchte und Samen aus dem Mitteleozän des Geiseltales. - Abh. Zentr. Geol. Inst., 26: 93-149, 7 Taf., 5 Abb.; Berlin.
  • MAI, D. H. & WALTHER, H. (1978): Flora der Haselbacher Serie im Weißelster-Becken. - Abh. Staatl. Mus. Mineral. Geol. Dresden, 28: 200 S., 50 Taf., 705 Fig.; Dresden.
  • MAI, D. H. & WALTHER, H. (1985): Die obereozänen Floren des Weißelster-Beckens und seiner Randgebiete. - Abh. Staatl. Mus. Mineral. Geol. Dresden, 33: 176 S., 13 Bildtafeln, 40 Taf.; Dresden.

> weitere Literatur zum Thema


Ein Sinterkalk-Geröll aus dem Oberen Zementmergel

 

A. M. Heyng  (Artikel 01.03.2009 - Archiv geomnia)

 

Die Oberfläche dieses Sinter-Gerölls ist durch Bohrschwämme und Bohrmuscheln (Lithophaga sp.) intensiv angebohrt (Bioerosion). Im Anschliff zeigt der Sinterkalk teils schichtigen Aufbau ("Lamellen") mit unterschiedlichen Wachstumsrichtungen sowie derb kristallisierte Bereiche. Es handelt sich demnach weder um einen Stalaktiten noch Stalagmiten, sondern um ein "verwachsenes" Stalagnat. Dieses wurde aus seinem ursprünglichen Bildungsraum (eine oligozäne (?) Höhle??) an die Küste des oligozänen Meeres transportiert und dort im Flachwasser gerundet und bioerodiert. Letztendlich gelangte das Geröll durch subaquatische Rutschungen in seinen tiefer gelegenen Ablagerungsraum, gemeinsam mit Wettersteinkalk-Geröllen und diversen Organismen-Resten (Bivalven, Schwämmen, Korallen etc.).

 

Sinterkalk-Geröll aus einem Schutt-Horizont ("debris-flow") hangend der "Lithoschutt-Bank", Oberer Zementmergel, Bad Häring. (Photo Heyng 2009)

 

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Ein Sinterkalk-Geröll aus dem Oberen Zementmergel (Artikel 2009 - Archiv geomnia)
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Bivalvia: Propeamussium bronni (MAYER, 1861)

 

A. M. Heyng (Artikel 03.03.2009 - Archiv geomnia)

 

Kurzbeschreibung

Schale sehr dünn und +/- glatt, mit sehr feiner, konzentrischer Anwachsstreifung (v.A. auf der rechten Klappe); Klappen klein und schwach gewölbt, von rundlichem bis hochovalem Umriß (abhängig vom Deformationsgrad), Ohren klein und +/- gleichförmig; in der Schaleninnenseite 10-12 radiale Innenrippen, fächerförmig vom Wirbel Richtung Ventralrand verlaufend, auf der rechten Klappe fast bis zum Ventralrand reichen, auf der linken Klappe vorher endend.

 

Abbildung 1: Propeamussium bronni (MAYER, 1861) aus dem Oberen Zementmergel, Schalen-Innenseite; Höhe der Klappe ca. 1,2 Millimeter (Bayerische Staatssammlung f. Paläontologie u. hist. Geologie, Inv.-Nr. BSPG 2009 II-029).


Abbildung 2: Propeamussium bronni (MAYER, 1861), Oberer Zementmergel, Außenansicht der Schale; Höhe der Klappe ca. 1,1 Millimeter (Bayerische Staatssammlung f. Paläontologie u. hist. Geologie, Inv.-Nr. BSPG 2009 II-866).


 

Notizen

Auftreten ab dem Unteren Zementmergel (über den "Aporrhais-Mergeln"), sehr häufig im Oberen Zementmergel, z.B. über der "Lithoschutt-Bank"; sehr oft auch doppelklappig. Gehört zu den häufigsten Bivalven im Olgozän von Bad Häring.

 

Verwandte Gattungen und Arten

Propeamussium semiradiatum (MAYER, 1861)

 

Literatur

  • DREGER, J. (1904): Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. – Jb. k. k. geol. Reichsanst., 53 (1903): 253-284; Wien.
  • FRAUSCHER, K. F. (1886): Das Unter-Eocän der Nordalpen und seine Fauna. 1. Theil: Lamellibranchiata. – Denkschr. kais. Akad. Wiss., math.-nat. Cl., 51: 1-234; Wien.
  • LÖFFLER, S. (1999): Systematische Neubearbeitung und Paläoökologische Aspekte der Unter-Oligozänen Molluskenfauna aus den Zementmergeln von Bad Häring. – Tübinger Geowiss. Arb., A, 54: 1-207, 17 Abb., 4 Tab., 42 Taf.; Tübingen.
  • SCHLOSSER, M. (1923): Revision der Unteroligocänfauna von Häring und Reut im Winkl. – N. Jb. Mineral. Geol. Paläont., Beil.-Bd. 47: 254-294; Stuttgart.

> weitere Literatur zum Thema

 

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Propeamussium bronni (MAYER, 1861) (Artikel 2009 - Archiv geomnia)
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