Projekt Helvetikum

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Eine "Grabung besonderer Art"

Published 29-07-2020 by A. M. Heyng, last update 27-10-2020

 

Eine Fossiliensammlung "eine zweites Mal" auszugraben ist auch für mich etwas sehr Besonderes - zumal die Sammlerin Hilda Steinbacher aus Berchtesgaden vielen Sammlerkollegen und Wissenschaftlern sehr gut bekannt und Ihre Sammlung legendär war (und ist). Nach ihrem plötzlichen Tod im Jahre 1993 musste die umfangreiche Sammlung in einer Notlage 2007 in den Garten "ausgelagert" werden - wo sie bis heute lag.

 

Im Folgenden ein paar Eindrücke von den Ausgrabungen der Sammlung:

 


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Im Zentrum des Interesses von Hilda Steinbacher standen jahrelang die Korallen des Helvetikums, von denen sie eine sensationelle Sammlung von vielen Lokalitäten des Salzburger Landes, Bayerns und der Schweiz zusammentrug. Ein Korallen-Spezialist lehnte jedoch Ihre Anfrage zur Bearbeitung "wegen Zeitmangels" (Zitat von Frau Steinbacher) ab. Und da sie mit dem Linnéschen System nicht vertraut war, erschuf sie kurzerhand ein eigenes Ordnungssystem, kategorisierte und bezeichnete ähnlich gebaute Korallen-"Arten" nach dem "äußerlichen Erscheinungsbild". Als Beispiele seien hier die Bezeichnungen "Herzchenkorallen", "Sternchenkorallen" oder "Wedelkorallen" genannt. Unzählige Funde - viele hundert Stücke aller Größen müssen es wohl gewesen sein - wurden erst von Hilda in Handarbeit angeschliffen (siehe unten), dann präzise beschrieben und schließlich in Gruppen zusammengefasst. Mit dieser Fleißarbeit gelang Hilda Steinbacher der erste Nachweis einer äußert formenreichen Korallenfauna im Helvetikum, die damals den einschlägigen Wissenschaftlern völlig unbekannt war und bis heute unbearbeitet ist (kurze Notiz: derzeit laufen Arbeiten an Korallen-Material vom Kressenberg an der Bayerischen Staatssammlung in München).

 

 

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Alle Ergebnisse zu Ihren Korallen hielt Hilda Steinbacher darüber hinaus in einem umfangreichen, zweibändigen Werk fest, auf Schreibmaschine getippt, mit vielen Photos und eigenen Zeichnungen. Und wem die Bezeichnungen "Herzchenkorallen" etc. kindisch und/oder unwissenschaftlich erscheinen, der sollte diese Aufzeichnungen erst lesen - und wird dann beruhigt sein: Hilda beobachtete äußerst genau (im Gelände wie auch bei der Präparation & Bestimmung), wertete wissenschaftlich aus und machte sich eigene Gedanken - vorbildlich in vielerlei Hinsicht. Als Autodidaktin musste sie - zumal ohne Hilfe von fachlicher Seite - eigene Wege gehen, um weiterzukommen, und das tat Hilda Steinbacher mit Leib und Seele.

 

Ich danke der Familie Steinbacher herzlich für Ihr Vertrauen sowie die Erlaubnis, die unveröffentlichten Manuskripte von Hilda Steinbacher wissenschaftlich auswerten und veröffentlichen zu dürfen. Bis die umfangreichen Dokumente gescannt und aufbereitet sind, sollen auszugsweise ein paar ausgewählte Seiten Ihrer Arbeiten vorgestellt werden.

 

Unveröffentlichte Manuskripte

  • Hilda Steinbacher (Datum unbekannt): Auszug aus der Arbeit zum Thema: Korallen im eozänen Helvetikum (Schwarzerz und Mittelschichten). Ein Beitrag zur Erforschung des Haunsberges und des eozänen Helvetikums im allgemeinen. (Rohmanuskript)
  • Hilda Steinbacher (1985): Korallen im Eozänen Helvetikum - Band 1. (Rohmanuskript)
  • Hilda Steinbacher (1985): Korallen im Eozänen Helvetikum - Band 2. (Rohmanuskript)
  • Hilda Steinbacher (Datum unbekannt): Fossile Schätze vom Haunsberg. (Rohmanuskript mit handschriftlichen Anmerkungen)

 


Einzelseiten aus dem Rohmanuskript "Auszug aus der Arbeit zum Thema: Korallen im eozänen Helvetikum (Schwarzerz und Mittelschichten). Ein Beitrag zur Erforschung des Haunsberges und des eozänen Helvetikums im allgemeinen." (Scans im Rohzustand, unbearbeitet)


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Veröffentlichungen von Hilda Steinbacher

  • Hilda Steinbacher (1990): Fossile Moostierchen (Bryozoen) im Helvetikum des Haunsberges.- In: STÜBER Eberhard, Salzburg (1990), Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg XI. Folge. – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 11: 179-180.
  • Hilda Steinbacher (1987): Der Haunsberg, ein 'geologisches Fenster' des Helvetikums. - In: GEISER Elisabeth, Salzburg (1987), Naturwissenschaftliche Forschung in Salzburg. Festschrift zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Mag. Eberhard Stüber, Direktor des Hauses der Natur und Landesumweltanwalt. Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg X. Folge Teil A. – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 10: 169-173.
  • Hilda Steinbacher (1982): Der Haunsberg, eine unerschöpfliche Fundgrube eozäner Fossilien. - In: STÜBER Eberhard DDr. Mag. Prof., Salzburg (1982): Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg IX. Folge. – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 9: 155-159.
  • Hilda Steinbacher (1978): Bemerkenswerte Funde im Haunsberger Helvetikum 1977 und 1978. - In: STÜBER Eberhard, Salzburg (1978): Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg VIII. Folge. – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 8: 137-140.
  • Hilda Steinbacher (1978): Die Geschichte der Schildkrötenfunde am Haunsberg. - In: STÜBER Eberhard, Salzburg (1978): Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg VIII. Folge. – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 8: 140-142.
  • Hilda Steinbacher (1978): Entdeckung eines Korallenriffes im Helvetikum. - In: STÜBER Eberhard, Salzburg (1978): Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg VIII. Folge – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 8: 142-144.
  • Rudolf Vogeltanz, Hilda Steinbacher, Rudolf Jancik (1973): Eine versteinerte Landschildkröte (Geochelone sp.) aus dem Eozän von St. Pankraz am Haunsberg, Salzburg. - In: TRATZ Eduard, Salzburg 1973, Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg V. Folge 1973. – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 5: 23-29.

 

 


Eine persönliche Kopie

 

 

Published 06-07-2020 by A. M. Heyng, last update 04-08-2020

Ein beeindruckender Gruß aus einer vergangenen Zeit, in der Kopierer, geschweige denn Scanner und das PDF, noch nicht alltäglich waren: kunstvolle Bleistift-Nachzeichnungen der Tafeln von Loriol 1875, einem Grundlagenwerk über die Seeigel des Eozäns (auch heute noch durchaus nützlich und lesenswert!). Zweck der mühsamen Arbeit war wohl die Anfertigung einer persönlichen Kopie des Werkes zur Bestimmung der eigenen Funde.

 

Zeichner war der bekannte Fossiliensammler Alfred Holinka (1913 - 1978), der - gemeinsam mit seinem Sohn Heinz - bis zu seinem Tod "in die Steine ging". Die Funde der dabei zusammengetragenen, umfangreichen Sammlungen wurden meist hervorragend präpariert, inventarisiert, und großteils auch nach der gängigen Fachliteratur bestimmt. Jedes Stück wurde mit Fundort und Datum versehen sorgsam in Schächtelchen oder Gläschen aufbewahrt.

 

Teile der Sammlung Holinka werden heute in der Bayerischen Saatssammlung in München sowie im Naturmuseum Augsburg verwahrt. Sammlungen eozäner Fundorte, Teile der Sammlungs-Dokumentation sowie auch die Originale der hier veröffentlichten Zeichnungen werden bei amh-Geo (wiss. Sammlung & Archiv) aufbewahrt.

 

Literatur

Loriol, P. de (1875): Déscription des échinides tertiaires de la Suisse. - Mem. Soc. paléont. suisse, II/5, III/1; Genève.

 


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Aktuelle Publikation:

 

documenta naturae communications - 2 (2019) 9-43

 

Kommentierte Checkliste der Wirbeltiere aus dem Eozän des Haunsberges bei Sankt Pankraz (Salzburger Land, Österreich)

 

von Hans-Volker Karl & Gottfried Tichy

 

Abstract: A first checklist of the vertebrates from the Lower and Middle Eocene (Ypresium-Lutetium) layers of the Haunsberg near Sankt Pankraz includes the soft shelled turtle Rafetoides messelianus (Reinach, 1900), the sea turtles Puppigerus camperi Cope 1870 and Tasbacka salisburgensis (Karl, 1996), the leatherback turtle Arabemys crassiscutata Tong et al. 1999, the large land tortoise Eochersina steinbacherae (Karl, 1996), the crocodile Diplocynodon cf. hantonensis (Wood, 1846), the tapir-related Lophiodon cf. occitanicum Cuvier, 1821-22, the old horse Propalaeotherium voigti (Matthes, 1977) and the old whale Togocetus aff. traversei Gingerich & Cappetta, 2014.

Keywords: Vertebrates, fishes, turtles, crocodiles, mammals, Eocene, Ypresian-Lutetian, Haunsberg, Austria, checklist.

 

Kurzfassung: Eine erste Checkliste der Wirbeltiere aus den eozänen Schichten des Haunsberges bei Sankt Pankraz (nördlich Salzburg, Österreich) erbrachte die Weichschildkröte Rafetoides messelianus (Reinach, 1900), die Seeschildkröten Puppigerus camperi Cope 1870 und Tasbacka salisburgensis (Karl, 1996), die Lederschildkröte Arabemys crassiscutata Tong et al. 1999, die große Landschildkröte Eochersina steinbacherae (Karl, 1996), das Krokodil Diplocynodon cf. hantonensis (Wood, 1846), den Tapir-Verwandten Lophiodon cf. occitanicum Cuvier, 1821-22, das Urpferd Propalaeotherium voigti (Matthes 1977) sowie den Altwal Togocetus aff. traversei Gingerich & Cappetta, 2014.
Schlüsselwörter: Wirbeltiere, Fische, Schildkröten, Krokodile, Säugetiere, Eozän, Ypresium-Lutetium, Haunsberg, Österreich, Checkliste.

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Sammlung & Projekt Bad Häring

 

Die bei Exkursionen im Laufe von etwa 15 Jahren von Dr. A.M. Heyng gemeinsam mit vielen Freunden und Helfern zusammengetragene Sammlung Bad Häring umfaßt etwa 1450 meist horizontiert entnommene Funde und Proben, insbesondere auch die Kleinfauna. Nach der Inventarisierung wurde diese Sammlung im Januar 2009 an der Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München hinterlegt und steht unter der Sammlungs-Nummer BSPG 2009 II zur wissenschaftlichen Bearbeitung zur Verfügung.



 

Aufschlüsse im Helvetikum

 

 

Der Zementsteinbruch Rohrdorf

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Die "Slumps" am Bonhartköpfl im Zementsteinbruch Rohrdorf

 

 

Der Mühlsteinbruch von Hinterhör

mit beeindruckenden Spuren des einstigen Mühlstein-Abbaus:

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Der Steinbruch am Eckbichl

Das "Nebengestein" am "Eckbichl", Neubeuern (Photo Heyng 2003)

 

Profilabfolge des "Nebengesteins" am "Eckbichl" (Photo Heyng 2005)