Projekt Helvetikum

News & Aktuelles


Eine "Grabung besonderer Art"

Published 29-07-2020 by A. M. Heyng, last update 27-10-2020

 

Eine Fossiliensammlung "eine zweites Mal" auszugraben ist auch für mich etwas sehr Besonderes - zumal die Sammlerin Hilda Steinbacher aus Berchtesgaden vielen Sammlerkollegen und Wissenschaftlern sehr gut bekannt und Ihre Sammlung legendär war (und ist). Nach ihrem plötzlichen Tod im Jahre 1993 musste die umfangreiche Sammlung in einer Notlage 2007 in den Garten "ausgelagert" werden - wo sie bis heute lag.

 

Im Folgenden ein paar Eindrücke von den Ausgrabungen der Sammlung:

 


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Im Zentrum des Interesses von Hilda Steinbacher standen jahrelang die Korallen des Helvetikums, von denen sie eine sensationelle Sammlung von vielen Lokalitäten des Salzburger Landes, Bayerns und der Schweiz zusammentrug. Ein Korallen-Spezialist lehnte jedoch Ihre Anfrage zur Bearbeitung "wegen Zeitmangels" (Zitat von Frau Steinbacher) ab. Und da sie mit dem Linnéschen System nicht vertraut war, erschuf sie kurzerhand ein eigenes Ordnungssystem, kategorisierte und bezeichnete ähnlich gebaute Korallen-"Arten" nach dem "äußerlichen Erscheinungsbild". Als Beispiele seien hier die Bezeichnungen "Herzchenkorallen", "Sternchenkorallen" oder "Wedelkorallen" genannt. Unzählige Funde - viele hundert Stücke aller Größen müssen es wohl gewesen sein - wurden erst von Hilda in Handarbeit angeschliffen (siehe unten), dann präzise beschrieben und schließlich in Gruppen zusammengefasst. Mit dieser Fleißarbeit gelang Hilda Steinbacher der erste Nachweis einer äußert formenreichen Korallenfauna im Helvetikum, die damals den einschlägigen Wissenschaftlern völlig unbekannt war und bis heute unbearbeitet ist (kurze Notiz: derzeit laufen Arbeiten an Korallen-Material vom Kressenberg an der Bayerischen Staatssammlung in München).

 

 

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Alle Ergebnisse zu Ihren Korallen hielt Hilda Steinbacher darüber hinaus in einem umfangreichen, zweibändigen Werk fest, auf Schreibmaschine getippt, mit vielen Photos und eigenen Zeichnungen. Und wem die Bezeichnungen "Herzchenkorallen" etc. kindisch und/oder unwissenschaftlich erscheinen, der sollte diese Aufzeichnungen erst lesen - und wird dann beruhigt sein: Hilda beobachtete äußerst genau (im Gelände wie auch bei der Präparation & Bestimmung), wertete wissenschaftlich aus und machte sich eigene Gedanken - vorbildlich in vielerlei Hinsicht. Als Autodidaktin musste sie - zumal ohne Hilfe von fachlicher Seite - eigene Wege gehen, um weiterzukommen, und das tat Hilda Steinbacher mit Leib und Seele.

 

Ich danke der Familie Steinbacher herzlich für Ihr Vertrauen sowie die Erlaubnis, die unveröffentlichten Manuskripte von Hilda Steinbacher wissenschaftlich auswerten und veröffentlichen zu dürfen. Bis die umfangreichen Dokumente gescannt und aufbereitet sind, sollen auszugsweise ein paar ausgewählte Seiten Ihrer Arbeiten vorgestellt werden.

 

 


Einzelseiten aus dem Rohmanuskript "Auszug aus der Arbeit zum Thema: Korallen im eozänen Helvetikum (Schwarzerz und Mittelschichten). Ein Beitrag zur Erforschung des Haunsberges und des eozänen Helvetikums im allgemeinen." (Scans im Rohzustand, unbearbeitet)


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Unveröffentlichtes Manuskript - Originalzustand

 

 

Auszug aus der Arbeit zum Thema: Korallen im eozänen Helvetikum (Schwarzerz u. Mittelschichten) Ein Beitrag zur Erforschung des Haunsberges und des eozänen Helvetikums im allgemeinen

 

Hilda Steinbacher †

 

 

Vorbemerkung

Eine 15jährige Arbeit "vor Ort" im Steinbruch und auf der Halde mit dem begletenden Studium der erreichbaren Fachliteratur bilden die Basis für eine 318 Seiten umfassende grundlegende Arbeit über die Schwarzerzschicht im Helvetikum. Aus kommerziellen Gründen ist es unmöglich, dieses Werk zu veröffentlichen. Um dessen Inhalt in seinen wesentlichen zügen einem interessierten Kreis von Fachleuten zu eröffnen, wurde ein Exzerpt erstellt. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es im Wesen eines solchen Auszuges liegt, zu vereinfachen, nur einen Überblick zu schaffen.

 

1. Das Helvetikum im Spiegel der Literatur

Dr. Vogeltanz, Salzburg, (1, Seite 419) und Prof. Dr. Hagn, München, (2, Seite 28) vermuten Inselschwellen im eozänen Meer. Zugleich wird angenommen (1, Seite 423), daß sich an den Küstenrändern kleine patch reefs aus Korallen gebildet haben könnten. Ganz vereinzelte Funde, ein Stockfragment am Hochstein im unteren Lithothamnienkalk (1, Seite 406) und 2 Polypare am Wartstein im Roterz (1, Seite 406), Österreich, und einige Korallenstöcke am Kressenberg/Bayern (2, Seite 28) im Schwarzerz ließen die Vermutung aufkommen, es handle sich um eingeschwemmte Korallen. Man suchte seit Jahren vergeblich Korallen in den gegebenen Aufschlüssen (s. Skizze im Abschnitt "Funde im Helvetikum"/Schwarzerzschicht - Erkenntnisse!). Ein Wissenschaftlder setzte sogar eine Belohnung für den Sammler aus, der eine Stockkoralle beibringt. Die Grundlage für die Vermutung über das Vorhandensein von Stockkorallen in den helvetischen Gesteinsschichten gibt Professor Dr. O. Kühn, Wien, in seinem profunden Werk (3, Seite 318) "Eozänkorallen aus Österreich" (1966), als er bei Untersuchungen der Gesteinsschichten im Bereich Mattsee feststellt:

"Merkwürdig bleibt, daß das fossilreiche Eozänvorkommen von Mattsee keine Korallen geliefert hat".....

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß Korallen im Helvetikum vermutet wurden. Man "einigte" sich aber wegen der nur sehr vereinzelten Funde auf die Einschwemmtheorie (2, Seite 28).

 

2. Korallenforschung heute

Namhafte Wissenschaftler (u. a. Prof. H. Schumacher, Prof. Kipper-Wilkens, Prof. H. Fricke...) haben das Werden und Vergehen der Korallen und das reiche Leben in Korallenriffen, Korallensäumen, Koralleninseln in vielen Einzelheiten bereits erforscht. Der umfangreichen Literatur ist zu entnehmen, daß reiche Korallenriffe einige hundert Korallenarten aufweisen. Die Koralleninseln der Malediven, die sich auf fast 1000 km erstrecken, zeigen beispielsweise an die 60 Gattungen. Auch der gesamte Kosmos eines Korallenriffes mit der Fauna und Flora vom Plankton und Nekton üder die vielen Schbecken, Krabben, Seeigelarten bis hin zum Hai wird in dieser Literatur vorgestellt. Auch die ökologischen Verhältnisse und Zusammenhänge, wie die Aufgabe der Algen, die Bedeutung der Brandung, der Meerestiefe, der Meeresströmungen sind erforscht.

Alle diese wissenschaftlichen Forschungsergebnisse konnten mit den folgenden Ausführungen über Funde aus dem Helvetikum und die sich daraus ergebenden Erkenntnisse in Einklang gebracht werden.

 

3. Funde im Helvetikum/Schwarzerzschicht-Erkenntnisse

Die im folgenden vorgestellten Funde erstrecken sich auf das gesamte Helvetikum vom Mattsee/Reitsham bis zum Sihlsee/Maria Einsiedeln. Aus der Skizze [Abbildung a02] geht hervor, daß alle Funde nördlich der Alpen gemacht wurden. Hauptfundorte sind der Haunsberg/St. Pankraz und der Kressenberg. Am Haunsberg ist die Fundstätte wegen des Abbaues von Sand und Stein besonders ergiebig. Nicht gering waren die Schwierigkeiten, die der Betreiber des Sand- und Steinbruches bereitete. Nur ein kleiner Bruchteil der hier zutagegeförderten fossilen Schätze konnte durch unermüdlichen physischen und geistigen Einsatz vor der Schubraupe gerettet werden. Am Kressenberg sind die durch den einstigen Erzabbau entstandenen Halden nur zu einem ganz geringen Teil noch zugänglich.

 

3.1: Die Korallenfunde

Nach zwei Einzelfunden im Schwarzerz in den Jahren 1975 und 1977, die der Einschwemmtheorie zugeordnet wurden, gelang im Juli 1978 ein geistiger Durchbruch. Die Verfasserin "erkannte" die Korallen im Gestein. In wenigen Wochen konnten nun an die 50 Arten gesichert werden. Eine besondere Fertigkeit und ein Fingerspitzengefühl im wahrsten Sinne des Wortes verlangte das Anschleifen der Korallenstöcke. Immer neue, noch schönere Arten und Formen traten zutage. Ganz besonders schön sind die vielen Farbtöne der Korallen. Prof. H. Hagn, München, rief bei einer Besichtigung voller Begeisterung aus: "Diese Korallen sind ästhetisch schön!".

Im Laufe der folgenden Jahre vermehrte sich die Artenzahl auf etwa 150. Da noch viele, viele Korallenstöcke unbearbeitet sind, ist eine noch bedeutend höhere Artenvielfalt zu erwarten. Diese KOrallen wurden als gewachsenes, teils großplattiges Korallengestein gefunden. Sie sind übereinander in Schichten entstanden, die bis zu einem Meter mächtig sind. An allen oben bezeichneten Fundstellen wurden Korallen, zumindest Korallenreste entdeckt. Der Schwerpunkt der Funde liegt am Haunsberg,gefolgt vom Kressenberg. Auch viele Einzelkorallen konnten gesichert werden. All diese Korallenarten wissenschaftlich zu bestimmen ist unmöglich. In Europa gibt es nur wenige Spezialisten dafür. Eine entsprechende Anfrage erbrachte eine Absage wegen Zeitmangels. Es erscheint auch nicht wesentlich, die genaue Bezeichnung zu bestimmen, wesentlich ist die Tatsache des Vorhandenseins von über 150 Stockkorallenarten.

Um eine Arbeitsordnung zu erhalten, gab die Verfasserin den ähnlich gebauten Arten einen Überbegriff als Bezeichnung, der dem äußerlichen Erscheinungsbild nachempfunden wurde. Z.B. herzförmige Korallen erhielten die Bezeichnung "Herzchenkorallen", sternförmige Korallen die Bezeichnung "Sternchenkorallen", wedelartige Korallen die Bezeichnung "Wedelkorallen" [Abbildungen a03 - a05].

In der eingangs erwähnten Arbeit ist ein Großteil der Korallen abgebildet und genau beschrieben. Einige Skizzen sollen hier noch den Formenreichtum veranschaulichen [Abbildungen a06 - a09].

 

3.2: Die Diagenese

Der Erhaltungszustand der Korallen ist sehr unterschiedlich. Es gibt fossile Korallen, die noch in allen Einzelheiten erhalten sind, es gibt aber auch Versteinerungen, bei denen die Struktur nur mehr schwer erkennbar ist, wobei die Formen noch ganz erhalten sind. Nur das geübte Auge kann im Gestein noch solche KOrallenüberreste, -spuren und -strukturen erkennen. Durch chemische Einflüsse haben sich auch Verfärbungen ergeben. Vom Schwarz, Blau, Gelb, Rot, Lila, Weiß bis zu vielen Brauntönen reicht die Farbskala.

Auch die Herkunft des Quarzsandes am Haunsberg könnte eine Erklärung finden, zumal im Quarzsand auch Korallen, Seeigel, Seeigelnester, Foraminiferen (darunter viele, viele Alveolinen) und Hölzer in gut erhaltenem Zustand gefunden wurden. Prof. Dr. W. Zeil, Berlin, schreibt (4, Seite 96) in seinem Werk "Brinkmanns Abriß der Geologie/Erster Band/Allgemeine Geologie/1975", daß unter bestimmten Bedingungen bei der Mitwirkung von Silizium aus Kalzit (vorher Aragonit) auch Quarz entstehen könne. Die schwer verständliche Meinung, der Quarzsand sei durch rollenden und springenden Korntransport (1, Seite 414) ins Meer gekommen, fände dann eine einleuchtende Berichtigung [Abbildungen a10 - a13].

 

3.3: Äußere Form der Korallen

Die äußere Erscheinungsform der Korallen am Haunsberg und Kressenberg ist polsterig, gedrungen, kompakt und plattig [Abbildung a14]. Feingliedrige Korallengebilde mit weitverzweigten Ästchen wurden nicht gesichert. Auch Algenwuchs (Knollenalgen) konnte festgestellt werden. Dies sind sichere Anzeichen dafür, daß sich diese Korallen an einer Brandungsküste mit zumindest bewegtem Wellengang befunden haben müssen (5, Seite 46). Die Wellen ließen keine Verästelungen zu, so daß sich nur kompakt gebaute Formen behaupten konnten. Auch die Reinigungsfunktion der Algen ist in der Brandungszone überflüssig, da die Wellen die Exkremente der Korallen immer wieder wegtransportieren.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Schwarzerzschicht des Helvetikums aus Korallen besteht, die durch die Diagenese einen sehr unterschiedlichen Erhaltungszustand zeigen. Über 150 Arten sind bis jetzt nachgewiesen. Die äußere Erscheinungsfom der Stockkorallen weist eindeutig auf einen weit ausgedehnten Korallensaum bzw. ein Korallenriff an einer Brandungsküste hin.

 

3.4: Tierleben im Korallenriff

In dem einstigen Korallenriff herrschte auch ein vielfältiges Leben. Zahlreiche Fossilienfunde beweisen diese Aussage: Foraminiferen (Nummuliten, Assilinen, Alveolinen, Discocyclinen, Krustenforaminiferen) finden sich in allen Größen in Gesteinsblöcken dicht gedrängt. Die Krustenforaminifere Gypsina ogormani ist nach Prof. Hagn, München, in den Schwarzerzschichten neu. Schnecken aller Arten (Gisortia, Turritella, Tritonschnecken, Cypraeen) liegen in den verschiedensten Erhaltungszuständen und Größen vor, wobei sich die großen Schnecken, wie z.B. die Gisortia Gigantea mit einem Windungsdurchmesser bis zu 15 cm auf ads Conoclypenschwarzerz beschränken, das auch korallenführend ist. Der Seeigel Conoclypeus bevölkerte in großer Zahl und in allen Größen das einstige Korallenmeer. Man findet ihn heute im Conoclypenschwarzerz. Auch das Schwarzerz im weiteren Sinne führt viele Seeigelarten, darunter die flachen Seeigel Echinolampas und Echinantus und die kleine Linthia. Besonders interessant sind ganz kleine Seeigelchen mit nur wenigen Millimetern Durchmesser. Krabben können leicht im Gestein übersehen werden, deshalb sind die Funde seltener. Würmer aller Art und Größe konnten nachgewiesen werden. In Koprolithen (von Prof. Hagn, München identifiziert) finden sich viele Reste von kleinen Fischen, wie Gräten und Rückenwirbel. Diese Fische haben im Riff gelebt und wurden dort gefressen. Seegurken haben ihre Überreste in einem gut erhaltenen Fleischhaken überliefert. Kauplatten von Rochen wurden im Conoclypenschwarzerz gefunden. Terebrateln konnten nur vereinzelt festgestellt werden. Moostierchen kommen massenweise als ganze Stöckchen oder als Krustenbewuchs im Schwarzerz vor. Haizähne sind besonders begehrte Sammlerobjekte, auch sie konnten im Schwarzerz in verschiedenen Größen gefunden werden. Muscheln bevölkerten das Riff. Austern waren im Conoclypenschwarzerzmeer besonders groß. Seelilien wurden als Stielglieder gefunden. Seesterne waren Bewohner des einstigen Schwarzerzmeeres. Ein erhaltener Schlangenstern auf einer Nautiluskammer und einzelne Deckplättchen von Seesternen zeugen von der einstigen Existenz dieser Tiere. Die Nautiloiden sind eine weitere interessante Tiergruppe. Verschiedene Arten und Formen von ca. 4 bis 30 cm Durchmesser liegen vor, wobei sich die größeren Arten auf das Conoclypenschwarzerz beschränken. Nautiloiden sind nicht selten von Korallen ausgewachsen. Das ist ein Beweis dafür, daß die Gehäuse dieser Tiere einst im Riff eingebettet worden sind. Foraminiferen, wie Nummuliten, Assilinen, Alveolinen, Discocyclinen und Krustenforaminiferen finden sich dicht gedrängt.

 

3.5: Ein Festland hinter dem Küstensaum

Ein sicheres Indiz dafür, daß sich hinter der Korallenbrandungsküste ein Festland befand, sind die Funde von Pflanzen und Landtierfossilien. Aufsehen erregte der Fund einer Riesenlandschildkröte 1973. Sie ist noch sehr gut erhalten und mißt ca. 65 mal 40 cm [Abbildung a25]. Im Laufe der Jahre wurden dann weitere mehr oder weniger gut erhaltene Fragmente von Schildkröten gesichert. Diese Tiere wanderten wohl bei Ebbe auf das Riff hinaus und wurden dann von der Flut überrascht.

Auch sehr interessante Holzfunde sind Indikatoren für ein Festland. das Fragment eines Baumstammes, der einen Durchmesser von 40 bis 50 cm aufweist, zeigt große verkohlte Holzteile. Hierher gehört auch ein ca. 1 1/2 m langer Holzstamm mit ca. 20 cm Durchmesser.

 

Anm.: In der Fossilschicht, die mit der Schwarzerzschicht eng verzahnt ist, wurde ein Tapirzahn gefunden. Dies ist ein weiterer Hinweis auf ein vorhandenes Festland. Prof. Dr. Thenius, Wien, sagt: "Tapire sind Tiere des Festlandes".

 

Zusammenfassend sei folgendes festgehalten: Die über 150 gesicherten Stockkorallenarten weisen auf ein reiches Korallenriff bzw. einen entsprechenden Küstensaum hin. Die Wuchsform der Stockkorallen indiziert eindeutig eine sauerstoffdurchflutete Brandungsküste, so daß die exkrementefressenden Algen durch die Strömung des Wassers ersetzt wurden. Diese Küste erstreckte sich von Mattsee, Österreich, am Nordrand der Alpen entlang bis zum Sihlsee, Ostschweiz. Neben den vielen Korallenarten lebten in diesem Korallenriff noch zahlreiche Tiere. Die vielen Fossilienfunde weisen auf eine dichte Population hin. Ein weiteres Indiz für eine Küste mit dahinterliegendem Festland sind die Fossilien von Hölzern, Landtieren, Moostierchen.

Die bisherigen Vermutungen und Annahmen über das Helvetikum werden somit durch Funde bestätigt bzw. korrigiert. An der helvetischen Küste zog sich ein reicher Korallensaum bzw. ein reiches Korallenriff entlang. Hinter der Brandungsküste erstreckte sich ein Festland.

 

 

Quellennachweis

1 = Vogeltanz, R.: Sedimentologie und Paläogeographie eines eozänen Sublitorals im Helvetikum von Salzburg (Österreich) Wien / Sept. 1970 / Verh. Geol. B. A. Jahrgang 1970/ H. 3/ S. 373-451.

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2 = Hagn, H. Wellnhofer, P.: Der Kressenberg, eine berühmte Fossillagerstätte / Sonderdruck aus dem Jahrbuch 1973, 38. Band, 8000 München 2, Linprunnstr. 37/IV.

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3 = Kühn, O.: Eozänkorallen aus Österreich - Wien 1966 / in Kommission bei Springer Verlag, Wien / New York / Druck: Christoph Resser`s Söhne AG, Wien V.

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4 = Zeil, W.: Allgemeine Geologie - erster Band, 11. Auflage, neu bearbeitet (Brinkmanns Abriß der Geologie) Ferdinand Enke Verlag Stuttgart 1975.

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5 = Kipper, H. Wilkens, P.: Wunderwelt unter Wasser - Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh / Berlin 1977.

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Anm.: Eine ausführliche Arbeit über das sogenannte Roterz ist in Vorbereitung. Auch hier finden die in dieser Schicht gefundenen Korallen vor allem Berücksichtigung.

 

 

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Unveröffentlichte Manuskripte

  • Hilda Steinbacher (Datum unbekannt): Auszug aus der Arbeit zum Thema: Korallen im eozänen Helvetikum (Schwarzerz und Mittelschichten). Ein Beitrag zur Erforschung des Haunsberges und des eozänen Helvetikums im allgemeinen. (Rohmanuskript)
  • Hilda Steinbacher (1985): Korallen im Eozänen Helvetikum - Band 1. (Rohmanuskript)
  • Hilda Steinbacher (1985): Korallen im Eozänen Helvetikum - Band 2. (Rohmanuskript)
  • Hilda Steinbacher (Datum unbekannt): Fossile Schätze vom Haunsberg. (Rohmanuskript mit handschriftlichen Anmerkungen)

 

Veröffentlichungen von Hilda Steinbacher

  • Hilda Steinbacher (1990): Fossile Moostierchen (Bryozoen) im Helvetikum des Haunsberges.- In: STÜBER Eberhard, Salzburg (1990), Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg XI. Folge. – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 11: 179-180.
  • Hilda Steinbacher (1987): Der Haunsberg, ein 'geologisches Fenster' des Helvetikums. - In: GEISER Elisabeth, Salzburg (1987), Naturwissenschaftliche Forschung in Salzburg. Festschrift zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Mag. Eberhard Stüber, Direktor des Hauses der Natur und Landesumweltanwalt. Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg X. Folge Teil A. – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 10: 169-173.
  • Hilda Steinbacher (1982): Der Haunsberg, eine unerschöpfliche Fundgrube eozäner Fossilien. - In: STÜBER Eberhard DDr. Mag. Prof., Salzburg (1982): Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg IX. Folge. – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 9: 155-159.
  • Hilda Steinbacher (1978): Bemerkenswerte Funde im Haunsberger Helvetikum 1977 und 1978. - In: STÜBER Eberhard, Salzburg (1978): Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg VIII. Folge. – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 8: 137-140.
  • Hilda Steinbacher (1978): Die Geschichte der Schildkrötenfunde am Haunsberg. - In: STÜBER Eberhard, Salzburg (1978): Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg VIII. Folge. – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 8: 140-142.
  • Hilda Steinbacher (1978): Entdeckung eines Korallenriffes im Helvetikum. - In: STÜBER Eberhard, Salzburg (1978): Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg VIII. Folge – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 8: 142-144.
  • Rudolf Vogeltanz, Hilda Steinbacher, Rudolf Jancik (1973): Eine versteinerte Landschildkröte (Geochelone sp.) aus dem Eozän von St. Pankraz am Haunsberg, Salzburg. - In: TRATZ Eduard, Salzburg 1973, Berichte aus dem Haus der Natur in Salzburg V. Folge 1973. – Mitteilungen aus dem Haus der Natur Salzburg, 5: 23-29.

 

 


Eine persönliche Kopie

 

 

Published 06-07-2020 by A. M. Heyng, last update 04-08-2020

Ein beeindruckender Gruß aus einer vergangenen Zeit, in der Kopierer, geschweige denn Scanner und das PDF, noch nicht alltäglich waren: kunstvolle Bleistift-Nachzeichnungen der Tafeln von Loriol 1875, einem Grundlagenwerk über die Seeigel des Eozäns (auch heute noch durchaus nützlich und lesenswert!). Zweck der mühsamen Arbeit war wohl die Anfertigung einer persönlichen Kopie des Werkes zur Bestimmung der eigenen Funde.

 

Zeichner war der bekannte Fossiliensammler Alfred Holinka (1913 - 1978), der - gemeinsam mit seinem Sohn Heinz - bis zu seinem Tod "in die Steine ging". Die Funde der dabei zusammengetragenen, umfangreichen Sammlungen wurden meist hervorragend präpariert, inventarisiert, und großteils auch nach der gängigen Fachliteratur bestimmt. Jedes Stück wurde mit Fundort und Datum versehen sorgsam in Schächtelchen oder Gläschen aufbewahrt.

 

Teile der Sammlung Holinka werden heute in der Bayerischen Saatssammlung in München sowie im Naturmuseum Augsburg verwahrt. Sammlungen eozäner Fundorte, Teile der Sammlungs-Dokumentation sowie auch die Originale der hier veröffentlichten Zeichnungen werden bei amh-Geo (wiss. Sammlung & Archiv) aufbewahrt.

 

Literatur

Loriol, P. de (1875): Déscription des échinides tertiaires de la Suisse. - Mem. Soc. paléont. suisse, II/5, III/1; Genève.

 


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Aktuelle Publikation:

 

documenta naturae communications - 2 (2019) 9-43

 

Kommentierte Checkliste der Wirbeltiere aus dem Eozän des Haunsberges bei Sankt Pankraz (Salzburger Land, Österreich)

 

von Hans-Volker Karl & Gottfried Tichy

 

Abstract: A first checklist of the vertebrates from the Lower and Middle Eocene (Ypresium-Lutetium) layers of the Haunsberg near Sankt Pankraz includes the soft shelled turtle Rafetoides messelianus (Reinach, 1900), the sea turtles Puppigerus camperi Cope 1870 and Tasbacka salisburgensis (Karl, 1996), the leatherback turtle Arabemys crassiscutata Tong et al. 1999, the large land tortoise Eochersina steinbacherae (Karl, 1996), the crocodile Diplocynodon cf. hantonensis (Wood, 1846), the tapir-related Lophiodon cf. occitanicum Cuvier, 1821-22, the old horse Propalaeotherium voigti (Matthes, 1977) and the old whale Togocetus aff. traversei Gingerich & Cappetta, 2014.

Keywords: Vertebrates, fishes, turtles, crocodiles, mammals, Eocene, Ypresian-Lutetian, Haunsberg, Austria, checklist.

 

Kurzfassung: Eine erste Checkliste der Wirbeltiere aus den eozänen Schichten des Haunsberges bei Sankt Pankraz (nördlich Salzburg, Österreich) erbrachte die Weichschildkröte Rafetoides messelianus (Reinach, 1900), die Seeschildkröten Puppigerus camperi Cope 1870 und Tasbacka salisburgensis (Karl, 1996), die Lederschildkröte Arabemys crassiscutata Tong et al. 1999, die große Landschildkröte Eochersina steinbacherae (Karl, 1996), das Krokodil Diplocynodon cf. hantonensis (Wood, 1846), den Tapir-Verwandten Lophiodon cf. occitanicum Cuvier, 1821-22, das Urpferd Propalaeotherium voigti (Matthes 1977) sowie den Altwal Togocetus aff. traversei Gingerich & Cappetta, 2014.
Schlüsselwörter: Wirbeltiere, Fische, Schildkröten, Krokodile, Säugetiere, Eozän, Ypresium-Lutetium, Haunsberg, Österreich, Checkliste.

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Sammlung & Projekt Bad Häring

 

Die bei Exkursionen im Laufe von etwa 15 Jahren von Dr. A.M. Heyng gemeinsam mit vielen Freunden und Helfern zusammengetragene Sammlung Bad Häring umfaßt etwa 1450 meist horizontiert entnommene Funde und Proben, insbesondere auch die Kleinfauna. Nach der Inventarisierung wurde diese Sammlung im Januar 2009 an der Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München hinterlegt und steht unter der Sammlungs-Nummer BSPG 2009 II zur wissenschaftlichen Bearbeitung zur Verfügung.



 

Aufschlüsse im Helvetikum

 

 

Der Zementsteinbruch Rohrdorf

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Die "Slumps" am Bonhartköpfl im Zementsteinbruch Rohrdorf

 

 

Der Mühlsteinbruch von Hinterhör

mit beeindruckenden Spuren des einstigen Mühlstein-Abbaus:

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Der Steinbruch am Eckbichl

Das "Nebengestein" am "Eckbichl", Neubeuern (Photo Heyng 2003)

 

Profilabfolge des "Nebengesteins" am "Eckbichl" (Photo Heyng 2005)